Biografisches Theater- und Tanzprojekt mit Kindern aus aller Welt

 
Kurs-/­Veran­staltungs­nummer: 680
Projektleiterin: Andrea Crusius
Alter, Zielgruppe: ab 10 Jahre
Räumlichkeiten: Gymnastikhalle Dreikönigenstraße 153 (Google-Maps)
Zeitraum: Mi, 07.06.2017   - 20.12.2017
Zeiten: 16 - 19 Uhr
Tage, (U)Std.: 25 Tag(e), 75 (U)Stunden
Kosten: 0,00 Euro (Gefördert aus Mitteln des Landesjugendplans NRW)
Kategorie(n): Tanz, Ballett, Orientalischer Tanz, Tanztheater
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Ein Tanz- und Theaterprojekt mit deutschen und Flüchtlingskindern im Alter zwischen 10 und 13 Jahren

„Stell dir vor:
Es gibt ein Land, in dem die Menschen kaum reden. Ein Land, in dem die Menschen ihre Wörter erst kaufen müssen, um zu sprechen. Ein Land, in dem besonders schöne Wörter schier unbezahlbar teuer sind. Ein Land, in dem nur die Reichen über die wirklich wichtigen Wörter verfügen.

Stell dir vor:
Man lebt in diesem Land und ist arm. Man lebt dort und kann nichts Schönes oder Wichtiges sagen. Man lebt und muss mit preiswerten Wörtern zurechtkommen oder gar in Armut schweigen. Man lebt dort und kann sich seine Sprache nicht leisten.

Stell dir vor:
Man kann es sich nicht leisten, die schönsten Gedanken in die Welt zu rufen. Zu arm zum Sprechen.“
(Aus dem Buch „Die große Wörterfabrik“ von Agnes de Lestrade)

Das Buch: „Die große Wörterfabrik“ dient als roter Faden in diesem Stück, in dem es um Armut und Reichtum aber auch um Phantasie geht.

Wir schreiben und sammeln biografische Texte der Kinder rund um das Thema Sprache und inszenieren ein Theaterstück.

Eigenmotivation

Zu Millionen sehen sich Menschen auf der ganzen Welt gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Sie fliehen vor Not, Angst und politischer Verfolgung. Vor allem aus den Krisenregionen in Afrika und dem Nahen Osten versuchen viele, über das Mittelmeer oder das Festland nach Europa zu gelangen, um hier Zuflucht zu suchen. Unter diesen Menschen sind auch viele Kinder und Jugendliche, die zum Teil mit, aber auch zum Teil ohne Eltern diesen Weg gehen müssen.

Schon bei meinem ersten Besuch in einer Flüchtlingsunterkunft erzählten mir Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Geschichten ihrer Flucht, welche Hürden sie nehmen und Grenzen sie überwinden mussten, um hier in Deutschland anzukommen. Es war schon sehr erschütternd dies zu erleben: wenn die Geschichten persönlich werden, ein „Gesicht“ bekommen.

Im Gegenzug erlebte ich auch die unterschiedlichsten Reaktionen auf die Neuankömmlinge. Manche waren negativ und manche waren positiv. Einige der deutschen Kinder und Jugendlichen müssen auf ihren Sportunterricht verzichten, da die Turnhallen zu Unterkünften umgebaut werden. Kinder, die über wenig bis gar keine Deutschkenntnissen verfügen, werden in Klassenverbände eingeschult. Menschen, aus verschiedensten Nationen verändern das Stadtbild und Sprachen aus allen Herren Länder hört man plötzlich an jeder Straßenecke. Mir machte es bewusst, wie wichtig es ist, den Menschen Möglichkeiten aufzuzeigen, aufeinander zuzugehen und Gemeinsamkeiten zu finden.

Ein Weg, diesen Weg zu bestreiten, ist das biografische Theater. Da ich mich als Theaterpädagogin mit biografischem Theater (im Rahmen meiner Ausbildung und in vorherigen Projekten) intensiv auseinandergesetzt habe, entschloss ich mich zu einem Theaterprojekt mit dem Thema „Grenzen“, in dem deutsche und Flüchtlingskinder ihre persönlichen Geschichten zu diesem Thema umsetzen. Als „roter Faden“ führt uns die Lebensgeschichte von Sylvia Earle, die mit ihrem grenzenlosen Mut ihren Weg ging, durch die Inszenierung.

Biografisches Theater

Die Situation der Flüchtlinge in Deutschland ist zum aktuellen Zeitpunkt in Medien und Politik ein brisantes und kontrovers diskutiertes Thema und beschäftigt auch die Kulturszene.

Das biographische Theater schöpft aus der Lebens- und Erlebenswelt eines jeden Teilnehmers. Es geht dabei nicht darum, das Erlebte eines Einzelnen realistisch abzubilden, sondern vielmehr um einen kollektiven Erfahrungshorizont. Persönliche Gedanken, Gefühle und Lebenserfahrungen einzelner werden mit Methoden der Ästhetisierung entfremdet und bieten damit die Grundlage für das szenische Material, das wie eine Collage zusammengesetzt wird. So entsteht ein eigenständiges Werk, das sich durch viele Eigenanteile und Beiträge der Teilnehmer auszeichnet.

Das Ziel des biografischen Theaters ist, mit Theater und Tanz, also Sprache und Bewegung, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, sich mit ihrer eigenen Identität und Lebenssituation auseinanderzusetzen, ihre eigenen Geschichten und ihre individuellen Schicksale anderen Menschen nahe zu bringen. Über die Arbeit im biografischen Theater entsteht ein Raum für Austausch zwischen den Kulturen, ein Kennenlernen wird gefördert und das Fremde kann bekannt werden. Dies fördert den interkulturellen Meinungsaustausch. Mögliche Hemmschwellen (z.B. religiöse, politische oder kulturelle) können überwunden und Vorurteile abgebaut werden.

Ziele

Das Hauptziel theaterpädagogischer Arbeit ist das theatrale Bearbeiten biografischer Themen.
Ein weiteres Ziel ist die Persönlichkeitsstärkung durch Persönlichkeitsbildung. Gerade Kinder und Jugendliche können mit dieser Arbeit ihr Selbstbewusstsein stärken und ausbauen.

Pädagogisches Konzept

Das pädagogische Konzept basiert auf einen prozessorientierten Ansatz. (d. h., dass erwünschte Ergebnisse sich effizienter erreichen lassen, wenn Tätigkeiten und dazugehörige Ressourcen als Prozess geleitet und gelenkt werden.) Infolgedessen geht die individuelle Perspektive nicht verloren und zugleich wird die gemeinschaftliche Perspektive gefördert. Das Ziel ist in erster Linie nicht die Herstellung des Produkts „Aufführung“, sondern die Bearbeitung biografischer Themen. Dies geschieht durch Reflexion. Im Vordergrund steht der kreative und künstlerische Umgang mit Kommunikation. Die Spieler erzählen ihre eigenen Geschichten und setzen diese über Theater und Tanz performativ um.

Die vorhandenen Sprachbarrieren stellen eine Herausforderung dar, öffnen aber auch neue Wege von Ausdrucksmöglichkeiten: Ist z. B. die deutsche Sprache erst eingeschränkt vorhanden, versetzt das den Spieler in die Lage kreativ zu werden und nach anderen Möglichkeiten zu suchen, (sich) zu erforschen und auszudrücken. Die Funktion des Dolmetschers beschränkt sich dann auch nur auf das Übersetzen von Arbeitsanleitungen.

Beschreibung und Ablauf des Vorhabens

Zu Beginn des Projekts gibt es eine Kennenlernphase mit ersten Lockerungsübungen die dann nahtlos in die Körperarbeit übergeht. Anschließend folgen die Schreibwerkstätten, das Ästhetisieren dieser Bausteine und abschließend das Zusammensetzen der Szenen zu dem Stück.

Planzeitraum

Das Projekt hat eine Laufzeit von 12 Monaten und findet einmal wöchentlich mittwochs nachmittags statt (3 Stunden). In den Sommerferien sind keine Proben. Dafür gibt es 4 zusätzliche Projekttage in der ersten Herbstferienwoche sowie Sonderproben vor der Premiere im Frühjahr 2018.

Teilnehmer

Angesprochen sind Kinder und Jugendliche aus der südwestlichen Innenstadt im Alter zwischen 10 und 13 Jahren.

Stilmittel

Tanz, Theater, Sprache

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