Gabriele Jürgs

 

Geboren bin ich 1949 im Schwabenland; ich kann noch heute Schwäbisch, bemühe mich aber schon lange, Hochdeutsch zu sprechen. Ich war 5 Jahre alt, als meine Familie in die Nähe von Hamburg zog, wo ich auf dem Dorf, mit Schürze, wie damals üblich, ein Jahr später eingeschult wurde. Von der Landschule kam ich nach Hamburg, wo statt auf einer Tafel mit Kreide bereits mit Füller im Heft geschrieben wurde. Großer Frust zunächst bei mir, aber ich habe es geschafft!

1956 kam mein jüngster Bruder zur Welt (eine ältere Schwester und einen älteren Bruder hatte ich bereits). Mein kleiner Bruder legte den Grundstein meiner großen Liebe zu Kindern und trug wesentlich dazu bei, dass mein Berufswunsch sich früh herauskristallisierte: Es musste etwas mit Kindern sein. Zur Wahl standen Kinderkrankenschwester oder Lehrerin. Ich entschied mich dann für das Studium des Lehramts, das ich an der Uni Duisburg absolvierte. Da zu dieser Zeit großer Lehrermangel in den so genannten Brennpunkten bestand, wurde ich sofort nach meinen Examina in Duisburg-Hamborn eingesetzt: Ich war 23 Jahre alt und bekam an einer Grundschule sofort zwei Klassen; ein erstes Schuljahr mit 48, ein zweites mit 46 Kindern. Anfangs fühlte ich mich überfordert, aber man war damals trotz des jungen Alters noch Respektperson. Frontalunterricht. Aufstehen, wenn ich die Klasse betrat. Keinerlei Material: Alles doch sehr unterschiedlich zu heute.

Als ich 1978 meinen ersten Sohn adoptierte, wohnten wir in Mülheim/Ruhr. Da ich viele Kinder wollte, lief schnell der zweite Adoptionsantrag, nach dessen Erfolg ich 1984 meinen zweiten Sohn bekam. Da meine Eltern in Krefeld wohnten und für eventuelle Krankheitsfälle meine Kinder versorgten, zogen wir 1985 nach Krefeld und ich stellte mich an der Josefschule vor. Die Montessori-Arbeit bereitete mir Sorge, da ich kein Diplom hatte, die nachmittäglichen Konferenzen irritierten mich zunächst, da ich diese von meiner kleinen Duisburger Schule nicht kannte. Mein kleiner Sohn wollte nach einigen Monaten zurück nach Duisburg, weil ich in Krefeld "immer in der Schule" sei. Ja, es war eine große Umstellung für uns alle. Silentium, lange Konferenzen, Bastelabende für Montessori-Material, Fortbildungen. Eine große Schule, an der ständig Aktivitäten waren.

Weitere Adoptionen wurden mir vom Jugendamt untersagt, da ich "zufrieden" sein müsse, als Alleinerziehende überhaupt zwei Kinder bekommen zu haben! Man hätte genug "heile Familien" mit Vater und Mutter, die ein Kind adoptieren wollten... Nun ja, diese "heilen Familien" habe ich an der Schule sehr häufig anders erlebt. Aber auch daran haben wir uns gewöhnt und meine Söhne besuchten die Josefschule. Ich habe schnell guten und freundschaftlichen Kontakt zum Kollegium gefunden, hatte sehr engagierte, unterstützende Eltern und sehr liebevolle Kinder, an denen mein Herz von Anfang an hing.

Ich habe alle Neuerungen, so auch den jahrgangsübergreifenden Unterricht, aktiv miterlebt, war zwischendurch einige Jahre in der Dependance, habe mich mit dem damaligen Rektor, Herrn Irmen, sehr eingesetzt für den Umgang mit Computern, weil ich merkte, wie nützlich dieses Medium für die erforderliche Differenzierung der Vermittlung der Lerninhalte sein konnte.

Als ich 1985 an der Josefschule anfing, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich hier als Lehrerin bis zur Pensionierung bleiben würde. Aber wir waren ein hilfsbereites Kollegium, aus dem heraus sich auch Freundschaften entwickelten, die bis heute Bestand haben. Ich durfte mehrere Referendare ausbilden, so dass ich immer wieder Neuerungen erfuhr und im eigenen Unterricht umsetzen konnte. Es war ein Für- und Miteinander, so dass ich fast 30 meiner insgesamt 43 Dienstjahre an der Josefschule verbrachte.

Ende Januar 2015 endete mein Dienst und gemeinsam mit Herrn Fortmeier verabschiedete ich mich in einer unvergesslichen Feier vom Kollegium. Zunächst war Erholung angesagt, zumal ich einen schmerzlichen familiären Schicksalsschlag verkraften musste. Aber ich merkte schnell, dass mir "meine geliebten Kinder" fehlten. Als ich das Angebot erhielt, eine Arbeitsgemeinschaft für Migrantenkinder unserer Schule zu leiten, sagte ich sofort zu. Unsere AG nannten wir: Sprechen, Spielen, Singen und vieles mehr...

Derzeit betreue ich mit einer Kollegin eine heterogene Altersgruppe (1. bis 4. Schuljahr) aus 5 Nationen und freue mich, dass die Kinder gern und motiviert zu uns kommen, da wir eben nicht im üblichen Sinne unterrichten. In den großzügigen Räumen der Bürgerinitiative können wir all das mit den Kindern machen, was uns vorschwebt: Basteln, Singen, Wortschatzerweiterungen anhand von Material und Unterrichtsgängen und sogar Kochen und Backen, was den Kindern besonderen Spaß bereitet. Die Freude der Kinder erfüllt mich mit großer Dankbarkeit!

626 Interkulturelle Sprachförderung 07.09.2017 - 21.12.2017
130 Interkulturelle Sprachförderung 11.01.2018 - 12.07.2018